Management für einen gesunden Magen – 18.06.2015

18.06.2015

Kommt das ständige Bauchweh vom Essen? Von einer Unverträglichkeit? Von Weizen, Obst oder Milch? Ein Tiroler Start-
up will mit Selbsttests und einem Online-Portal Antworten liefern.

Von Matthias Christler

Wien – Es sind quälende Fragen, die manche dem eigenen Körper fast jeden Tagen stellen: Warum fühlst du dich heute so schlapp an? Wieso tut der Bauch wieder weh? Schnell wird die Ernährung als Hauptverdächtiger ausgemacht, nicht ohne Grund. In verschiedenen Abstufungen sind laut einer britischen Studie 40 Prozent aller Menschen in der westlichen Welt von Nahrungsmittel­unverträglichkeit betroffen – nicht zu verwechseln mit einer klassischen Allergie vom Typ 1, die bei schon kleinen Mengen eine Sofort-Reaktion auslöst. Eine Nahrungsmittel­unverträglichkeit tritt als Folge von Ernährungseinflüssen oder einem geschädigten Verdauungssystem auf. Das lässt sich behandeln. Man muss nur wissen, was der Auslöser ist.

Das junge Tiroler Unternehmen Kiweno hat gestern in Wien seine Idee vorgestellt, um schnelle Antworten auf die quälenden Fragen zu finden. Mit einem Selbsttest um 99 Euro. Über einen Online-Shop kann man den standardisierten Selbsttest für 70 Nahrungsmittel bestellen. Daheim werden wenige Blutstropfen von der Fingerkuppe genommen und an ein Labor geschickt. Nach einigen Tagen erhält man den Befund und kann auf der Online-Plattform die Ernährungsempfehlungen abrufen. „Unser Ziel ist, dass wir vielen Menschen die Möglichkeit bieten, ohne kostspielige Labordiagnostik von 300 bis 400 Euro und mehr, sich auf eine Unverträglichkeit testen zu lassen“, sagt die 25-jährige Zirlerin Bianca Gfrei im Gespräch mit der TT.
Einen Selbsttest hatte sie bereits vor zwei Jahren bei Apothekern angeboten, doch man habe bald gemerkt, dass viele Kunden den Weg über einen Online-Shop gehen wollen. Das Angebot wurde überarbeitet und mit dem Online-Tool erweitert, das helfen soll, „die Ernährung zu verstehen, zu managen und zu optimieren“, erklärt Roland Fuschelberger, Internist aus Aldrans und medizinischer Leiter von Kiweno. „Wer weiß, welche Nahrungsmittel man nicht verträgt, kann seinen Kaffeekonsum zumindest stark einschränken und auf Multivitamin-Präparate verzichten.“

Der Aufritt des Tiroler Unternehmens gewann Anfang Juni bei der „Post Start-up-Challenge“ den Preis von 45.000 Euro für das Gesundheits-Start-up des Jahres. Das helfe jetzt am Beginn bei der Frage der Glaubwürdigkeit, so Gfrei, „aber im Endeffekt entscheiden die Kunden, ob das Angebot für sie sinnvoll ist“. Gfrei selbst hatte vor einigen Jahren mit einer Unverträglichkeit zu kämpfen – und mit der Diagnose bzw. Behandlung, wie sie sagt. Man erhalte meist vom Arzt Blutwerte, doch dann müsse man sich selbst darum kümmern, Termine bei anderen Ärzten oder Diätologen ausmachen und Dr. Google befragen. „Wir wollen nicht den Arzt ersetzen, wenn es um schwerwiegende Erkrankungen geht. Aber es hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet, dass die Menschen den Arzt quasi in der Hosentasche haben und ihre Daten selbst besitzen wollen“, spricht Gfrei den Trend zu Gesundheits-Apps und Online-Plattformen an.
Sie sei sich bewusst, dass es im Moment einen Hype um das Thema gebe, aber es habe sich auch in der Forschung viel getan. „Nur bei 2 bis 3 Prozent ist die Unverträglichkeit angeboren.

Beim Großteil ist es der Lebensstil und diese Unverträglichkeit lässt sich durch einen konsequenten Plan zurückbilden.“ Weitere Selbsttests sind bereits in Planung. Dem Tiroler Start-up hilft, dass Unverträglichkeit und Allergenkennzeichnung derzeit in aller Munde sind. Gfrei sagt dazu: „Wir wollen unsere Produkte niemandem aufdrücken. Schlimm ist es nur, wenn viele Menschen ihre Ernährung sinnlos umstellen, z.B. eine glutenfreie Diät machen, ohne zu wissen, ob es ihnen überhaupt hilft.“

So funktioniert der Selbsttest

Test. Der Selbsttest prüft die Verträglichkeit von 70 Nahrungsmitteln mittels weniger Tropfen Blut, die aus der Fingerkuppe entnommen werden. Der Test ist ohne medizinische Kenntnisse durchführbar. Die Probe wird per Post an ein Labor geschickt.

Plattform. Weitere Infos unter Nach einigen Tagen erhält man online Befund, Empfehlungen zu alternativen Nahrungsmitteln, Ernährungsempfehlungen und Gesundheitstipps.

Weitere Infos unter www.kiweno.com

Tiroler Tageszeitung

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