Kiweno – Eine klassische Startup Story? Im Interview mit Gründerin Bianca Gfrei – 18.6.2016

18.06.2015

Auf dem Pioneers Festival Ende Mai in der Wiener Hofburg trafen wir Bianca Gfrei zum Interview. Die Tirolerin gründete vor zwei Jahren zusammen mit ihren zwei Co-Foundern das Unternehmen kiweno (damals noch iamnuvi ). Bei kiweno können Kunden Tests auf Lebensmittelunverträglichkeiten von zu Hause aus durchführen.

Zunächst wurde das Produkt über Apotheken und Therapiezentren vertrieben. Nach eineinhalb Jahren Forschung und Entwicklung und gut einem Jahr Testphase auf dem B2B Markt war klar, dass der Test zukünftig direkt an die Endkunden verkauft werden soll. Die Daten werden den Kunden dann über eine Online Plattform zur Verfügung gestellt, damit sie immer und überall abrufbar sind.

Zusätzlich zu Unverträglichkeiten können die Kunden sich auf Stresshormone und ähnliches testen lassen. Über sein Online Profil kann der Kunde seine persönlichen Werte einsehen, ihm werden Ernährungs- und Therapiepläne zur Verfügung gestellt und er hat Zugang zu Rezeptvorschlägen angepasst auf seine individuellen Ernährungsgewohnheiten.Mit ihrem eHealth Startup überzeugte kiweno die Jury der Austrian Post Startup Challenge und kann sich über ein Preisgeld von 45 000 Euro freuen.

Iamnuvi wurde ursprünglich in Innsbruck gegründet. Wie kam es zu der Entscheidung nach Wien umzuziehen?

Mir war es immer ein Anliegen, die Startup Szene in Tirol zu festigen. Ich war fast zwei Jahre lang Local Representative für Austrian Startups in Tirol und immer darum bemüht, die Startup Szene aufzubauen und stärker zu vernetzen. Allerdings passiert zurzeit in Wien sehr viel. Man hat als Gründer Zugang zu einem sehr großen Netzwerk und profitiert extrem vom Austausch mit anderen Startups. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, mit einem Teil des Teams nach Wien umzuziehen.

Andere Punkte, die für einen Umzug sprachen, waren das Netzwerk in Wien, das ich mir durch meine Tätigkeit bei Icons während des Studiums aufgebaut habe, und das vorhandene Humankapital. Wir waren lange auf der Suche nach einem technischen Projektleiter, aber die Startup Welt ist in Tirol noch nicht ganz angekommen. Die geforderten Gehälter orientieren sich an der Industrie – für Startups unbezahlbar.

Wie hast du dein Team gefunden?

Ich und mein Co-Founder kennen uns schon seit der Schulzeit. Das ist natürlich teilweise ein großer Vorteil. Gerade in der Gründungsphase gibt es sehr intensive und stressige Zeiten und da ist es hilfreich, wenn man seinen Mitgründer gut kennt und sich auf ihn verlassen kann.

Worin liegen die größten Unterschiede zwischen Innsbruck und Wien?

Ich glaube der größte und auch wichtigste Unterschied ist das Netzwerk. Wenn ich möchte, kann ich hier in Wien heute Abend auf eine Veranstaltung gehen und weiß, dass ich dort einen Investor treffe, mit dem ich mich über mein Business unterhalten kann. In Tirol findet so ein Event vielleicht einmal jährlich statt. Und natürlich der ganze Austausch mit anderen Startups, der wahnsinnig wichtig ist. Es ist zwar immer noch ein kompetitives Umfeld, aber man hält in der Szene zusammen. Zeitweise hatten wir auch unsere Schwierigkeiten, da waren wir dankbar für die Unterstützung durch andere Gründer, die uns viel geholfen haben und uns gepusht haben.

Aber trotzdem liegt viel Potenzial in Innsbruck, gerade im medizinischen Bereich…

Definitiv. Wir haben auch unser Office in Innsbruck behalten, weil es einfach Sinn macht. Ein Teil unseres Teams, der medizinische Part, sitzt noch in Innsbruck. Vor allem die Nähe zu den Märkten nach Italien, der Schweiz und nach Deutschland ist extrem wertvoll.

Hattet ihr zu Beginn der Gründung Schwierigkeiten z.B. mit dem Bürokratieaufwand und den damit verbunden Kosten?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben am Anfang alles viel zu kurz eingeschätzt. Wir waren super motiviert, wollten schnell vorankommen und haben nicht mit eingeplant, dass Behörden teilweise fünf Wochen für einen Bescheid benötigen. Und auch die Kosten stellen eine große Herausforderung dar, vor allem die Personalkosten. Wir versuchen deswegen über andere Wege Mitarbeiter zu finden. Entweder sie sind selbst interessiert oder betroffen oder wir beteiligen sie. Aber es ist trotzdem wahnsinnig schwierig.

War Gründung immer ein Wunsch von dir?

Eigentlich ist es einfach so passiert. Kiweno ist aus der eigenen Betroffenheit entstanden.
Es ist sozusagen eine klassische Startup Story. Wir sind auf ein Problem aufmerksam geworden und haben uns gefragt, wie man das am besten lösen kann.
Ich habe zwar während meines Studiums gestartet, aber nie geplant daraus ein großes Unternehmen zu machen. Und dann hatten wir gleich zu Beginn großen Zuspruch und auch einige Kunden, bevor wir überhaupt Werbung gemacht haben. Daher haben wir entschieden, dass wir weiter machen, weil es uns gefällt und wir sehr viel dabei lernen. Mein ursprüngliches Ziel war eigentlich, nach dem Studium bei einer Beratung anzufangen. Jetzt bin ich Gründerin und ich bin sehr glücklich darüber. Mit seinem eigenen Unternehmen kann man so viel machen, man kann seine eigenen Visionen entwickeln, man kann sich aussuchen mit wem man zusammen arbeitet und man entwickelt sich sehr schnell weiter. Und was mir im Gegensatz zur Tätigkeit in Konzernen auch gefällt, ist, dass man sofort das Resultat sieht. Du gibst Input rein und bekommst den gleichen Output raus.

Was denkst du, was die Innsbrucker Startup Szene braucht?

Ich denke, dass die Uni eine tragende Rolle spielen sollte und noch sehr viel machen kann. Natürlich gibt es schon ein großes Angebot,
aber man muss die Leute einfach zu einem anderen Denken erziehen. Dinge zu hinterfragen, Sachen besser zu machen und anders zu machen. Und proaktiv sein.
Und man braucht bessere Förderungen und ein gutes Netzwerk, um den Austausch untereinander zu intensivieren.

Was mir persönlich sehr geholfen hat, war das außeruniversitäre Engagement. Durch meine Tätigkeit bei Icons hatte ich schon ein sehr großes Netzwerk und hab zum Beispiel meine ersten Mitarbeiter darüber rekrutiert.

Grundsätzlich hat ein Startup vielleicht bessere Chancen in Innsbruck, da es weniger Wettbewerb gibt. Aber anderseits wurde unser Business Model nicht ganz verstanden Wir haben damals bei Adventure X teilgenommen, da hat uns die Jury gesagt, dass unsere Idee nicht funktionieren wird, dass ein ähnliches Produkt bereits auf dem Markt wäre. Da war für uns klar, wir kommen hier nicht weiter.

Hat euch diese Aussage nicht abgehalten?

Ganz im Gegenteil. Für mich war es eher ein Ansporn. Wir waren uns sicher, dass es geht und das wollten wir den anderen zeigen. Mit Kritik entwickelt man sich oft weiter.

Hattet ihr Mentoren?

Wir hatten auf unserem Weg immer viele Leute, die uns Tipps gegeben haben und die uns sehr weitergeholfen haben. Es ist extrem wichtig, dass man mit Leuten redet. Jetzt haben wir Medical Advisors und zwei Business Angels, unter anderem Hansi Hansmann, die uns begleiten und uns ständig mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Bianca zeigt mit kiweno, dass Startup Erfolgstorys auch in Innsbruck starten können. Trotzdem hängt das Startup Ökosystem in Tirol noch hinterher. Es wird Zeit, das zu ändern! Und wir hoffen, dass Startups bald den umgekehrten Weg gehen und von Wien nach Innsbruck kommen – den höheren Freizeitfaktor haben wir in Tirol auf jeden Fall schon.

StartAlps


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