Unternehmerin aus Betroffenheit – 03.02.2016

03.02.2016

Kiweno ist ein Healthtech-Start-up, das labordiagnostische Tests zur Heimanwendung anbietet. Der Start war holprig, aber mit zwei bekannten Business Angels kam Drive ins Geschäft.

WIEN. Bianca Gfrei war auf dem Sprung nach Amerika, wo sie sich erfolgreich für ein Stipendium beworben hatte. „Unternehmerin werden“ war nicht in der Karriereplanung der Tirolerin vorgesehen. Doch aus einer eigenen Betroffenheit heraus kam es anders: Gfrei plagten ständig Magenschmerzen. Lang konnte ihr kein Arzt helfen, bis schließlich ein befreundeter Internist sie umfassend testete und zwei Unverträglichkeiten herauskamen.

Es war ein kleiner Anstoß für eine große Veränderung. „Ich war immer ein kritischer Mensch“, sagt Gfrei. „Es hat mich gestört, dass der Test so aufwendig und kostenintensiv war und der Diagnoseprozess so lang gedauert hat. Das zahlt ja keine Kasse.“ Das war 2012, als sie dann die Idee hatte, einen Selbsttest anzubieten.

Unterstützung bei der Entwicklung hatte sie durch den Innsbrucker Internisten, der ihre Unverträglichkeiten herausfand. „Den Arzt haben wir gebraucht, um die Glaubwürdigkeit zu haben.“ Roland Fuschelberger ist noch heute der medizinische Berater im Hintergrund und am Start-up Kiweno beteiligt.

Kunstwort

Kiweno ist ein Kunstwort-aus dem japanischen Ki-im Fluss sein-und dem englischen „We know“, Österreichisch salopp als „weno“ ausgesprochen. Gestartet wurde Anfang 2013. Alles Ersparte von Gfrei und das Geld fürs US-Stipendium flossen in die Entwicklung eines labordiagnostischen Nahrungsmittel­unverträglichkeitstests. Getestet werden die etwa 70 häufigsten Nahrungsmittel. „Die größte Herausforderung war, die Blutmenge so zu reduzieren, dass man nur zwei bis drei Tropfen Blut braucht“, sagt Gfrei, „und auch der Transport der Probe war ein Knackpunkt.“

Für beide Probleme gab’s eine Lösung. Doch dann stand man beim Vertrieb an. Gfrei wollte den Test über die Apotheken verkaufen. „Aber in der Praxis haben wir gemerkt, nachdem wir 1000 Apotheken abgeklappert haben, wie schwierig und verstaubt dieser Markt war.“

Starke Partner

Das Geschäft musste neu aufgesetzt werden, das Vertriebsmodell musste geändert werden: von B2B auf B2C. Aber: Langsam ging das Geld aus. Daher ging die Kiweno-Chefin Mitte 2014 nach Wien, um die Investorenszene zu bearbeiten. „Ich habe da viel Energie reingesteckt.“ Nach sechs Monaten hatte sie Erfolg, einen sehr großen: Denn der bekannteste Business Angel der Szene, Hansi Hansmann, „hat sich das angeschaut und gesagt es passe perfekt in sein Portfolio“,sagt Gfrei.

Hansmann hat sich mit 15 Prozent bei Kiweno eingekauft. Das hat auch den ehemaligen Swatch-Österreich-Chef Rudi Semrad angezogen, der mit fünf Prozent dabei ist. „Mit deren Know-how und Netzwerk haben wir die Idee weitergetrieben und realisiert.“ Seither ging es steil bergauf. Der Standard-Unverträglicheitstest kann einfach über Internet um 99 € bestellt werden. Ein zweiter Test auf Histamin­intoleranz wurde auch schon entwickelt. Die Ergebnisse einfach aufbereitet gibt es schon wenige Tage später auf dem Kiweno-Onlineportal mit persönlichem Account abrufbar.

„Wir wollen keine Ärzte ersetzen oder Kranke heilen“, betont Gfrei. „Unser Ziel ist, jedem Menschen die Möglichkeit zu bieten, seine Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen-mit einem Test, den sich jeder leisten kann.“ Das Interesse dafür wächst Schritt für Schritt. Das Kiweno-Team mit Sitz in Wien und Innsbruck umfasst 16 Leute.

WirtschaftsBlatt

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