„Ein Start-up will immer die Welt erobern“ – 06.04.2016

06.04.2016

Die florierende Start-up-Szene ist auch eine Folge der Puls4-TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“. Das Rekordinvestment für das Gesundheit-Start-up Kiweno sei ein Meilenstein, aber noch lang nicht das Ende, sagen die Beteiligten.

WirtschaftsBlatt: Internationale Vorbilder von „2 Minuten 2 Millionen“ sind oft mehr Show als echtes Investment, warum ist das in Österreich anders?

Daniel Zech: International betrachtet kommen etwa 70 Prozent der in den vergleichbaren Sendungen versprochenen Deals nicht zustande, und nur 30 Prozent der angekündigten Summen fließen wirklich in die Start-ups-in Österreich ist das Verhältnis hingegen genau umgekehrt. Das Ziel war, ein seriöses Format zu machen, das nicht nur Show ist und nicht nur auf Quote aus ist. Deswegen hat Puls4 auch für die Jury Investoren mit Handschlagqualität ausgewählt.

Nun läuft die dritte Staffel, mit großem Erfolg, auch für die vierte hat die Bewerbungsphase begonnen, und in der Zwischenzeit ist die österreichische Start-up-Szene enorm gewachsen. Wie wichtig ist „2 Minuten 2 Millionen“ für den Start-up-Boom?

Hansi Hansmann: Die TV-Show ist ein wichtiger Faktor, aber es gibt auch andere. So ist das Pioneers-Festival sehr wichtig, auch die Business-Angel-Organisation Austrian Angels ist entscheidend. Die Sendung ist aber ein Multiplikator, weil sie zeigt, dass es sehr viel Talent gibt und das Unternehmertum in Österreich-von dem unser aller Lebensstandard abhängt-an Bedeutung gewinnt. Es geht noch zu langsam voran, aber es geht in die richtige Richtung.

Zech: Natürlich gibt es das Start-up-Ökosystem nicht nur dank der Puls4-Show. Aber für Start-ups ist es sehr wichtig, dass es Geld für sie gibt, und dass sie dieses auch schnell bekommen können.

Bianca Gfrei: Ja, man bekommt sehr rasch ein Feedback von Leuten mit echtem Geld, zu denen man als Gründer sonst gar keinen Kontakt bekommen würde. Selbst wenn es mit einem Investment nicht klappt, ist es eine wichtige Erfahrung zu lernen, was Investoren wollen und an welchen Schrauben man als Gründer vielleicht noch drehen muss.

Kiweno hat mit sieben Millionen € bei „2 Minuten 2 Millionen“ von den ProSieben-Sat1-Töchtern Seven Ventures und 7NXT das größte Investment überhaupt erhalten, das im Fernsehen jemals für ein Start-up zugesagt wurde-und zwar in ganz Europa. Wie geht es jetzt weiter?

Gfrei: Das Unternehmen wurde erst vor zehn Monaten gegründet, doch die Entwicklung ist sehr gut, und daher steht auch der nächste Wachstumsschritt bereits fest: Nachdem wir in Österreich schon stark unterwegs sind, gehen wir demnächst nach Deutschland, wobei uns die Partnerschaft mit Seven Ventures und 7NXT sehr stark unterstützen wird.

Hansmann: Ein Start-up will immer die Welt erobern. Als österreichisches Unternehmen bietet sich als erster Auslandsmarkt immer Deutschland an, wo man mit dem Faktor eins zu zehn kalkulieren kann-bei den Umsätzen, aber auch bei den Kosten. Damit kann man den Investitionsbedarf schon recht gut abschätzen.

Umsatzwachstum ist schön, aber ist es für ein neu gegründetes Unternehmen nicht auch wichtig, möglichst rasch die Gewinnzone zu erreichen und von den roten in die schwarzen Zahlen zu kommen?

Hansmann: Wichtig ist für die Investoren nur, dass man die Planzahlen erreicht-und diese müssen nicht unbedingt schwarz sein. Im Gegenteil: Genau in der Anfangsphase darf man nicht auf den Profit schauen, sondern muss möglichst schnell wachsen. Das heißt, man braucht immer mehr Geld von Investoren, das man dann auch immer schneller verbrennt. Wenn ein Start-up wie der Fahrdienst Uber meldet, eine Milliarde Dollar in China zu verbrennen, ist das keine Hiobsbotschaft für die Anleger, sondern eine sehr gute Nachricht, denn das zeugt vom enorm starken Wachstum.

Zech: Man muss sich als Investor im Klaren darüber sein, dass es Risikokapital ist, das man einsetzt. Daher darf man kein reiner Finanzinvestor sein, sondern muss dem Start-up täglich beistehen, deswegen haben wir uns bei Kiweno beteiligt: Wir helfen etwa mit Consulting, in der Medienplanung, in der Platzierung…

Herr Zech, warum haben Sie gerade bei Kiweno Ja gesagt und sofort investiert?

Zech: So gute Storys findet man nicht so oft. Die Höhe der Summe ist sicherlich ein Meilenstein-aber es ist für uns sinnvoll, bei einem guten Projekt mit Vollgas dabei zu sein.

Gfrei: Der Einstieg freut uns sehr, denn unser Ziel war ein Medieninvestment, um unsere Bekanntheit möglichst rasch in Österreich, aber auch auf dem nächsten Markt Deutschland zu erhöhen.

Hansmann: Kiweno und seine Produkte lassen sich ideal über TV vermarkten. Seven Ventures und 7NXT sind deswegen logische Partner. Wie wichtig gerade bei Kiweno die Präsenz im Fernsehen ist, hat man bereits innerhalb der Sendung am vergangenen Dienstag gesehen, in der das Investment angekündigt wurde-als Kiweno aufgetreten ist, sind die Bestellungen auf der Website sofort in die Höhe geschossen. Auch in der einen Woche seit der Sendung konnte das angestiegene Verkaufsniveau gehalten werden.

Wird es weitere Rekordinvestments in der Sendung geben?

Zech: Ich gehe davon aus! Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das der erste so große Deal war, bei dem wir als Österreicher (Seven Ventures gehört zur börsenotierten deutschen ProSiebenSat.1 Media SE, Anm.) auch in Richtung Deutschland investieren.

Hansmann: Ich habe bei Kiweno investiert, weil das Unternehmen perfekt in mein Portfolio passt. Weitere Finanzierungsrunden wird es geben-denn je erfolgreicher ein Start-up ist, umso mehr Kapital benötigt es.

Es ist auffällig, dass Kiweno den Vertrieb über das Internet forciert und gar nicht den klassischen Weg-etwa über die Apotheke-geht. Warum eigentlich? Liegt es daran, dass Start-ups vielleicht generell onlineaffiner sind als die bereits etablierten Unternehmen?

Gfrei: Unser Ziel war, Endkonsumenten anzusprechen und damit ganz bewusst alte Strukturen aufzubrechen. Dazu gehört ebenso der Vertrieb-aber auch, dass wir mit den Kunden auf Augenhöhe sind.

Zur Person
Hansi Hansmann. Der Investor ist neben Kiweno bei 32 Start-ups beteiligt und war 2012 Business Angel des Jahres.
Bianca Gfrei. Die junge Tirolerin gewann beim WirtschaftsBlatt-Unternehmerinnen-Award 2016 in der Kategorie Start-up. Ihr Unternehmen, das Selbsttests für Lebensmittelunverträglichkeiten herstellt, hat sie aus eigener Betroffenheit gegründet.
Daniel Zech. Der Betriebswirt ist wie auch Hansmann Jurymitglied bei „2 Minuten 2 Millionen“ und verhandelt TV-Werbezeiten gegen Unternehmensbeteiligungen. Zech war zuvor selbst Start-up-Unternehmer.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2016-04-06)

Wirtschaftsblatt


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