Medizin-Revoluzzer 2.0 – 01.02.2016

01.02.2016

„Wir rollen das Thema Gesundheitsvorsorge neu auf mit Produkten, die wirklich Lust machen, sich mit der eigenen Gesundheit zu befassen“.

„Es ist nur ein kleiner Pieks“, versichert Bianca Gfrei. Ein Pieks, mit dem die Jungunternehmerin die Welt der Lebensmittelunverträglichkeits-Tests auf ein ganz neues, digitales Level bringt. Die 26-Jährige machte das, wovon viele träumen: Sie entwickelte aus ihrem eigenen Leiden heraus eine Geschäftsidee und hat somit nicht nur ihren Alltag, sondern den vieler Menschen erleichtert. Denn die Tirolerin litt selbst jahrelang an Bauchschmerzen und Müdigkeit. Erst nach unzähligen Arztbesuchen traf sie schließlich auf den Internisten und Spezialisten für Nahrungsmittel­unverträglichkeiten, Dr. Roland Fuschelberger. Und dieser fand schnell den Grund für Gfreis Leiden: Nahrungsmittelintoleranz. Nach der Ernährungsumstellung ging es ihr sofort besser. Viele würden sich nun entspannt zurücklehnen und darüber freuen, endlich dem Leidensweg ein Ende gesetzt zu haben.
Nicht Gfrei. Es müsse doch einen einfacheren und kostengünstigeren Weg geben, um sich auf Lebensmittelunverträglichkeiten testen zu lassen. Gesagt, getan. Gemeinsam mit Roland Fuschelberger und dessen Sohn Robert fing die gebürtige Tirolerin an, über die Vereinfachung solcher Tests nachzudenken. „Wer den Leidensdruck selbst kennt, versteht seine Kunden und ihre Bedürfnisse viel besser eine Voraussetzung für die Schaffung eines Produkts, das auch wirklich Sinn macht“, sagt sie.

„Wer den Leidensdruck selbst kennt, versteht seine Kunden und ihre Bedürfnisse viel besser.“

Selbsttest 2 go

„Kiweno“ war geboren: Mit einem Selbsttest kann man ganz einfach daheim eine kleine Blutprobe aus der Fingerkuppe entnehmen, diese wird per Post zur labordiagnostischen Analyse an ein deutsches Labor versandt und dort mittels standardisiertem Verfahren Testverfahren analysiert. „Mit dem Selbsttest lässt sich ganz leicht feststellen, ob eine Nahrungsmittel­unverträglichkeit vorliegt. Mit zwei Tropfen Blut wird die Verträglichkeit von über 70 Nahrungsmitteln getestet“, so Gfrei. Innerhalb von wenigen Tagen bekommt man das Ergebnis aber nicht etwa stapelweise unverständliche Hieroglyphen, mit denen man erst recht zum Arzt rennen muss, sondern so übersetzt, dass von Jugendlichen bis hin zu Senioren alle die Informationen und Konsequenzen verstehen können. Die Daten sind jederzeit auf der Plattform my.kiweno.com abrufbar. Hier erfährt der Kunde einerseits alles über die eigenen Unverträglichkeiten und erhält zudem Ernährungstipps. Eine Ernährungsberaterin steht für Fragen zur Verfügung. Während herkömmliche Tests zwischen 300 und 400 Euro kosten, zahlt man für das Testkit 99 Euro.

Umdenken im Gesundheitswesen

Zweieinhalb Jahre lang wurde an diesem Test getüftelt und von Ärzten, Apothekern und Therapeuten getestet, bis es im Juni 2015 auf den Endkunden „losgelassen“ wurde. Anfangs war angedacht, die Testkits Ärzten anzubieten. „Aber wir merkten schnell, dass die Menschen selbst gerne Einsicht in ihre Testergebnisse hätten“, so Gfrei. Und weiter: „Jeder Mensch sollte auch verstehen, wie stark die eigene Ernährung mit der Gesundheit zusammenhängt. Hier gibt es noch viel Aufklärungsbedarf. Wir haben in Österreich zwar ein sehr gutes Gesundheitssystem, das verleitet uns aber leider auch dazu, uns darauf zu verlassen und die Gesundheit in andere Hände zu geben“, so Gfrei. Konkurrenzdenken? Keinesfalls! „Aus Sicht einer Betroffenen sind die reine Testung beim Arzt und das, was wir mit kiweno bieten und vermitteln wollen, zwei unterschiedliche Dinge. Wir rollen das Thema individuelle Gesundheitsvorsorge neu auf mit Produkten, die wirklich Lust machen, sich mit der eigenen Gesundheit zu befassen“, sagt die Gründerin. Und der Markt ist groß: Nicht weniger als 40 Prozent der Bevölkerung leidet an Nahrungsmittel­unverträglichkeiten.

Business-Angels für das Start-up

Doch was nach einem märchenhaften Aufstieg klingt, war zum Teil harte Arbeit. „Vor allem den ersten Investor zu überzeugen, ist kein Zuckerschlecken viele unterschätzen, wie viel Zeit und Energie die Suche kostet. Von der Vorbereitung der Unterlagen bis zu den Verhandlungen eines Angebots können Monate vergehen.“ Umso größer die Freude, dass die Business Angels Hansi Hansmann und Rudi Semrad in „kiweno“ investiert haben und dafür nun gemeinsam bei 20 Prozent des Unternehmens halten. „Für mich war sofort klar, dass die Idee und das Produkt genau den Puls der Zeit treffen. Der zweite Grund und das war mindestens genauso wichtig das Team um Bianca Gfrei hat mich innerhalb kürzester Zeit voll überzeugt“, so Semrad. Dass sich Hartnäckigkeit und Geduld auszahlen, beweisen nun die Erfolge des Start-ups: Heute arbeiten 19 Personen in dem Unternehmen. Ein Teil des Teams befindet sich in Innsbruck. Ihr Erfolgsrezept?
Auch das verrät uns die junge Geschäftsfrau: „Wichtig sind vor allem Proaktivität, eine große Portion Motivation und Kreativität und bereit zu sein, neue Wege zu beschreiten. Doch alleine geht es kaum – mir ist das Team wahnsinnig wichtig. Ich schöpfe meine Motivation daraus, etwas zu schaffen, das Menschen tatsächlich hilft. Zudem darf man niemals den Glauben an sich und seine Idee verlieren. Die Gründung eines Start-ups gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt. Dafür braucht man natürlich eine gewisse Risikofreudigkeit und
Durchhaltevermögen. Ich sage immer: Man kann nur gewinnen, wenn man etwas wagt entweder man erreicht den erwünschten Erfolg und sonst gewinnt man jede Menge Erfahrung, die einem niemand mehr nehmen kann. Ich bin da relativ entspannt.“ Entspannt, was den Erfolg des Unternehmens anbelangt, kann die Tirolerin ruhig sein. Denn schon jetzt wird fleißig an der Umsetzung der weiteren Ziele gearbeitet: „Es steht unter anderem Internationalisierung im Fokus. Wir wollen neue Märkte angehen und weiterwachsen. In fünf Jahren haben wir es hoffentlich schon geschafft, einen Beitrag zu einer Neudefinition des Gesundheitssystems zu leisten“, verrät Gfrei, die erst kürzlich mit dem Unternehmerinnen-Award 2016 ausgezeichnet wurde. Dass sie auch privat immer in Bewegung bleibt, beweisen ihre Ziele für 2016: Neben mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, hat sich Gfrei für sich persönlich ein großes Ziel gesetzt: „Ich möchte den Halbmarathon laufen.“

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