kiweno: „Menschen sollen jetzt auf ihre Gesundheit achten und nicht erst, wenn sie krank sind“ – 12.10.2015

12.10.2015

Beim Besuch von TrendingTopics.at im neuen Wiener Büro des Start-ups kiweno ist Blut geflossen. Nein, keine Sorge, es gab keine Meinungsverschiedenheit punkto Strategie und Geschäftsmodell. Gründerin Bianca Gfrei und ihr Technik-Chef Georg Molzer demonstrierten lediglich für die Kamera, wie ein Selbsttest des Gesundheits-Start-ups funktioniert.

Denn bald gibt es zusätzlich zum Test für Lebensmittelunverträglichkeiten auch einen für Histamin. Etwa zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung haben eine Histamin­intoleranz, sollten deswegen bestimmte Lebensmittel nicht zu sich nehmen – und können sich demnächst einfach zu Haus testen. Einen Tropfen Blut aus der Fingerkuppe quetschen (bisher waren 200 Mikroliter, also mehrere Tropen notwendig), den Einsendeinstruktionen (Blood-Spot-Verfahren) folgen und einige Tage später die Ergebnisse online abrufen – den Gang zu Arzt kann man sich so sparen. Kostenpunkt: etwa 100 Euro.

„Attraktives Geschäftsmodell“

Gestartet ist kiweno vor einigen Monaten medienwirksam mit einem Unverträglichkeitstest für Lebensmittel und gilt als eines der erfolgversprechendsten Start-ups in Österreich – auch deswegen, weil Vorzeige-Business-Angel Hansi Hansmann mit an Bord ist. “Das Schöne für jeden Betroffenen an Unverträglichkeiten ist, dass sie nicht statisch sind und ein Leben lang so bleiben. Nur zwei bis drei Prozent der Unverträglichkeiten sind angeboren der Rest ist erworben durch Stress, Medikamente oder falsche Ernährung. Man kann durch das eigene Verhalten eine Veränderung herbeiführen, und das wollen wir triggern”, sagt Gründerin Gfrei. “Wir wollen das Bewusstsein der Menschen für Gesundheit schärfen. Sie sollen jetzt auf ihre Gesundheit achten und nicht erst dann, wenn sie krank sind. Wir denken, dass einfache Information dafür notwendig ist.”

Derzeit kommen etwa 30 Prozent der Bestellungen im Online-Shop aus Deutschland, der Rest aus Österreich. Um zu wachsen, plant man wenig verwunderlich den baldigen Start der Web-Plattform auf Englisch. “Wir denken schon, dass wir ein attraktives Geschäftsmodell haben. Denn jene, die eine hohe Affinität zum Thema Gesundheit haben und sich schon auf Unverträglichkeiten getestet haben, haben auch ein großes Interesse daran, sich auf Histamin, Stresshormone oder Mikronährstoffe zu testen”, sagt Gfrei. “Wir werden sicher nicht alle Menschen damit erreichen können, es wird weiter jene geben, die voll auf den Gott im weißen Kittel vertrauen. Aber jene Menschen, die selbst Verantwortung übernehmen und die präventiv etwas machen wollen, für die entwickeln wir diese Tests.”

Deutsches Labor im Rücken

Dass kiweno überhaupt Selbsttests für zu Hause anbieten kann, ist eigentlich dem deutschen Diagnostiklabor Biovis zu verdanken. Das österreichische Start-up, dessen leitender Mediziner Dr. Roland Fuschelberger bereits eng mit Biovis zusammenarbeitete, hat mit dem Labor eine exklusive Partnerschaft geschlossen. Für die Auswertungen der Blutproben, die bei Biovis durchgeführt werden, zahlt kiweno eine Gebühr, außerdem macht man gemeinsame Forschungsprojekte. Für Biovis ist kiweno die Chance, in die digitale Start-up-Welt zu schnuppern und neue Vertriebs- und Marketing-Prozesse kennenzulernen. Dass das nicht verkehrt ist, sieht man der veralteten Webseite des Labors durchaus an. Bei kiweno braucht man sich über dieses Problem nicht beschweren. Der technische Leiter Georg Molzer ist derzeit damit befasst, dass Back-End und das Design so umzubauen, dass in einem Nutzerprofil mehrere Testergebnisse zusammenfließen können und die Darstellung trotzdem übersichtlich bleibt. Auch für nicht eingeloggte User will man attraktiver werden nach außen hin soll die Webseite eine Art Mini-Wikipedia zum Thema Gesundheit werden, um User ans Kernprodukt heranzuführen. Bei aller Expansionsfreudigkeit will man bei kiweno aber nicht den Fokus verlieren – das betrifft auch die Auswahl der Tests, die man anbieten will. Zusätzlich zu Unverträglichkeiten und Histamin sollen bald auch Selbsttests für Stresshormone oder Mikronährstoffe dazukommen, aber vorerst kein Gentest. “Ein Gentest liefert Informationen über eine Angelegenheit, die du nicht mehr ändern kannst“, sagt Molzer. „Bei uns gibt es im Unterschied dazu Ergebnisse zu Dingen, die man ändern kann. Das heißt nicht, dass es bei uns in ein paar Jahren Gentests gibt, aber das ist vorerst nicht der Fokus.”

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