Die Medizin-Revoluzzer – 01.07.2015

01.07.2015

Das Start-up „kiweno“ analysiert Nahrungsmittel­unverträglichkeiten. Warum das zum Geheimtipp für Sportler werden kann und nicht nur das Leben der Kunden, sondern auch der Ärzte verbessert, erklärt Firmen-Gründerin Bianca Gfrei im Interview.

Knapp 40 Prozent der Bevölkerung leiden laut Dr. Roland Fuschelberger, Internist aus Tirol, unter Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Bianca Gfrei war also nur eine von vielen, die unter den Symptomen zu leiden hatte, als sie zu ihm kam. Doch die 25-Jährige beließ es nach dem Test, dem zahlreiche Arztbesuche und Untersuchungen vorausgegangen waren, nicht bei der Antwort auf die Frage nach ihren gesundheitlichen Problemen.

„Ich habe mich einfach geärgert, dass es ein so komplizierter, kundenunfreundlicher Prozess war, und fühlte mich krank, obwohl es ja etwas Positives ist, herausgefunden zu haben, was mir fehlt“, so Gfrei, die mit ihrer Kritik bei Fuschelberger auf offene Ohren stieß. Gemeinsam mit dessen Sohn Robert gründete sie daraufhin ein Start-up, das Selbsttests auf Lebensmittel-Intoleranzen und obendrein Alternativen sowie Therapien anbietet.

Seit wenigen Wochen ist „Kiweno“ (Kunstname zusammengesetzt aus dem japanischen Begriff „Ki“ für Energie und „we know“) als eine Art Online-Diagnosezentrum nun gelauncht. Zeit, bei der Gründerin nachzufragen, ob sie wirklich weiß, wie sie uns zu mehr Energie führen kann.

THE RED BULLETIN: Nach jahrelanger Vorarbeit fiel vor wenigen Wochen der Startschuss zu „Kiweno“. Wie fühlt sich das jetzt an?

BIANCA GFREI: Wir alle in unserem Team sind sehr kritisch – das macht uns auch aus. Aber wir sind mit dem Start wahnsinnig zufrieden und hätten es uns kaum anders wünschen können. Die Nachfrage ist groß und übertrifft auf jeden Fall unsere Erwartungen. Ich kann natürlich keine genauen Zahlen nennen (lacht), aber wir haben gemeinsam mit unseren Business Angels die Ziele definiert und wissen, wo wir hinwollen. Auch die Prozesse laufen gut, obwohl der Launch doch sehr „startup-mäßig“ verlaufen ist. Das heißt, viele Puffer hatten wir nicht, alles war eng getimt. Doch auch wenn alles funktioniert, gibt es an allen Ecken und Enden Optimierungspotential.

Die Idee zu einfacheren Nahrungsmittel-Unverträglichkeitstests wurde von Ihnen vor knapp drei Jahren geboren. Wenn Sie auf die Zeitspanne von der Konzeption zum Launch zurückblicken, was fiel am schwierigsten?

Das Schwierigste, aber auch das, was letztlich den Erfolg ausmacht, ist, an sich zu glauben und dranzubleiben. Wir bekamen immer wieder Steine in den Weg gelegt, sei es von behördlicher Seite oder bürokratischer Aufwände. Gerade im medizinischen Bereich dauert alles ewig, dort ist man nicht so innovationsoffen wie anderswo. Alles ist stark reguliert, du musst viele Auflagen erfüllen. Das ist aber auch inhärent für diese Branche. Die Medizin ist zwar wissenschaftlich fortgeschritten, aber eben nicht innovativ. Lange Wartezeiten zu überbrücken und trotzdem weiter daran zu glauben, ist schwierig, aber letztlich auch das Erfolgsrezept. Man muss an die Sache glauben, viel Durchhaltevermögen mitbringen und einen langen Atem beweisen.

Wie steckt man die Rückschläge am besten weg?

Das Team ist wahnsinnig wichtig. Meiner Meinung nach ist es schwierig, alleine zu gründen. Wenn man zu zweit oder zu dritt ist, hat man immer jemanden, der einen aus einer kleinen Motivationskrise holt. Dann ist es eben einmal der andere, der nach vorne geht und sagt: „Komm, das machen wir jetzt.“

Wenn man Ihre Erfahrungen für angehende Jungunternehmer nun in wenigen Worten zu einem Leitsatz zusammenfasst, wie würde der lauten?

Man kann eigentlich nichts verlieren, man kann nur gewinnen – sei es persönlich, an Erfahrung oder interessante Menschen. Also einfach: „Give it a go, probier es aus!“ Ich würde es nicht anders machen.

Mit „Kiweno“ haben Sie die Post Startup Challenge gewonnen. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung – abseits der 45.000 Euro Dotation?

Für uns war sie sehr wichtig. Beim Pioneers Festival sind wir das erste Mal mit der neuen Marke, unserer Consumer Brand Kiweno, nach außen gegangen und haben uns schon irrsinnig über die Chance gefreut, uns präsentieren zu können. Das allein war schon so viel wert für uns. Unser Auftritt war nicht mit Nervosität verbunden, sondern eher mit Vorfreude, jemandem davon erzählen zu können, woran man nun schon so lange gearbeitet hat und worauf man stolz ist. Wir haben total positives Feedback bekommen und dieser ganze Zuspruch hat uns richtig überrascht und zusätzlich motiviert. Mit dem Gewinn der Post Startup Challenge sind dann zusätzlich etliche Journalisten-Anfragen gekommen. So viel mediale Aufmerksamkeit hatten wir nicht erwartet. Das hat uns für den Start sehr geholfen, schneller Bekanntheit zu erlangen, und war ein schöner Auftakt.

Mit der Marke „iamnuvi“ haben Sie noch aus Gründen der Glaubwürdigkeit auf den Verkauf in Apotheken und bei Ärzten gesetzt, unter dem neuen Namen „Kiweno“ wird nun online vertrieben. Heißt das, das Internet ist glaubwürdiger geworden?

Das Konsumentenverhalten hat sich generell verändert. Mittlerweile ist es völlig normal, online zu kaufen. Mit dem Smartphone werden Bücher, Reisen oder sogar Autos bestellt. Die Konsumenten vertrauen dem Internet, es ist zum Standard geworden. Außerdem sprechen wir bewusst die Menschen an, die offen für so ein Thema sind und ihre Daten selbst in der Hand haben wollen. Wir bieten ihnen dazu den Zugang. Für viele ist der Datenschutz ein wichtiges Thema. Ob deine Daten nun aber beim Arzt in irgendeiner Cloud liegen, oder ob ich sie auf meinem Smartphone habe – das sind zwei unterschiedliche Sachen.

Werden Sie damit zu einer Art Medizin-Revoluzzer, Medizin-Avantgardisten?

(Lacht.) Prinzipiell sagen wir schon, dass wir die individuelle Gesundheitsvorsorge revolutionieren. Wir ersetzen aber keinen Arzt bei Krankheit, wir setzen weiter vorne an. Unser Ziel ist es ja eigentlich, Menschen die Möglichkeit zu bieten, schon etwas zu unternehmen, bevor sie krank werden. Die Menschen sollen ihre Gesundheit managen, verstehen und optimieren können. Dabei wollen wir nicht den Arzt oder die wirkliche krankheitsbasierende Medizin ersetzen, sondern im Präventivmedizin-Bereich arbeiten. Da finden wir schon, dass wir innovativ herangehen, weil es in diesem Bereich sehr wichtig ist, mit den ganzen Kommunikationsmedien zu arbeiten, die Menschen heute nutzen. Wenn ich jeden Tag mein Smartphone hundert Mal in der Hand habe, wieso bekomme ich keine medizinischen Informationen oder Tipps übers Smartphone?

Ist „Kiweno“ ein Teil der Zukunftsmedizin?

Ich sehe die Medizin der Zukunft viel mehr connected. Im Moment ist alles sehr isoliert. Es wird nicht intelligent mit Datenaustausch gearbeitet. In Zukunft wird alles viel personalisierter sein. Und wenn ich mehr Facetten einer Person kenne, dann kann ich viel individueller darauf eingehen. Zudem wird der „Doctor in a pocket“ zum Standard. Das heißt, irgendwann kann ich meinen Arzt einfach anschreiben oder mit ihm einen Skypecall führen und muss nicht in irgendeinem Wartezimmer sitzen. Wir sehen uns bei diesen Veränderungen vorne mit dabei.

Wie hat die Medizin von heute, die Ärzte-Community, auf euer Projekt reagiert?

Unterschiedlich. Im Moment sind wir von dem ausbleibenden oder nicht zu spürenden Gegenwind sogar etwas überrascht. Aber natürlich haben wir schon viele Diskussionen in dem Bereich geführt. Es gibt Ärzte, die sagen, dass das nicht funktionieren wird. Aber so gibt es in allen Bereichen des Lebens, der Wissenschaft, der Wirtschaft unterschiedliche Ansichtspunkte.
Ich glaube, es profitieren viele davon, wenn die Menschen gesünder werden und einfach mehr Bewusstsein an den Tag legen. Ärzte beklagen ja oft, dass sie so arbeiten müssen, wie sie arbeiten und dass sie Patienten im Minutentakt abarbeiten müssen anstatt auf sie einzugehen. Wenn nun nur die zum Arzt gehen, die tatsächlich eine Krankheit haben, und alle ernährungsbedingten Probleme ausgeschlossen sind, ist das für alle ein positiver Effekt – angefangen von den Ärzten über die Patienten bis hin zum Gesundheitssystem. Es ist ja auch eine gesellschaftliche Ebene, in die wir gehen.

Wenn ich nach dem Essen keine Beschwerden habe, sollte ich mich dennoch auf Unverträglichkeiten testen?

Fragen uns Kunden das, sage ich prinzipiell nein. Außer sie sind Sportler und möchten ihre Leistung optimieren. Wir arbeiten mit vielen Sportlern im Hobby- und Semi-Profibereich zusammen, weil man über abgestimmte Ernährung noch eine Art „Feintuning“ betreiben kann. Da geht es nicht darum, Beschwerden zu beseitigen, sondern festzustellen, welche Ernährung perfekt ist.
Dein Körper reagiert auf Unverträglichkeiten mit einer Abwehrreaktion, vergleichbar mit der Reaktion auf Viren. Das bedeutet einfach für den Körper einen Aufwand. Er kann seine Kräfte nicht mehr gesammelt auf die Verdauung konzentrieren, sondern muss die Nahrungsmittelpartikel abwehren und Antikörper entwickeln.
Wenn wir die Kräfte dagegen auf Energieproduktion oder Verdauung sourcen könnten, ist das natürlich besser für deine Energielehre. Chronische Müdigkeit, Energiemangel oder Lustlosigkeit haben oft ernährungsbedingte Ursachen. Sogar depressive Stimmungen können mit Unverträglichkeiten zu tun haben.

Zum Abschluss ein Ausblick: Was dürfen wir uns in naher Zukunft erwarten?

Es wird viele neue Features geben, auch das Design wird ein Upgrade erfahren. Daran arbeiten wir gerade. Dazu kommt eine „Gamification-Funktion“, etwa in Form einer Rezeptdatenbank, bei der man für Kommentare, Likes oder geleistete Hilfestellungen beispielsweise Himbeeren sammelt, die man dann wieder einlösen kann. Wir wissen noch nicht genau, was es wird. Ebenso werden Tracking- und Vergleichs-Möglichkeiten kommen. Wir stehen erst am Anfang einer langen Reise.

5 APP-TIPPS VON BIANCA GFREI

Health: „Die vorinstallierte Apple-App nutze ich oft.“
Quora: „Finde ich persönlich extrem spannend. Da habe ich mir am Anfang beispielsweise Informationen über Finanzierungsrunden durchgelesen.“
Runtastic: „Muss ich natürlich nutzen, ganz klar. Ist ja quasi aus der gleichen Familie.“
Updatemi: „Für schnelle News“
Lifesome: „Ich habe viele Health-Apps, teilweise auch von Konkurrenten.“

Red Bulletin


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